Hausbesuch des Netzwerks Nachhaltige Stadtentwicklung in Wächtersbach

Denk mal an morgen – Histo­rische Bausub­stanz fachge­recht trans­for­mieren

Das Netzwerk „Nachhaltige Stadtentwicklung in Hessen“ hat gemeinsam mit der Stadt Wächtersbach am 28. Juli 2026 eine Veranstaltung zum Thema „Transformation im Denkmal“ durchgeführt.

Gruppenfoto beim Hausbesuch in Wächtersbach vor dem Stadtschloss

Bei dem Format „Hausbesuch“ stehen die Kommunen im Mittelpunkt und berichten von ihren strategischen Herangehensweisen und herausragenden Projekten im Rahmen der Städtebauförderung. Bei strahlendem Sonnenschein konnten sich rund 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von den erfolgreich umgesetzten Maßnahmen in Wächtersbach überzeugen und Fragen an das erfahrene Team der Stadt stellen.

Nach einem Einführungsvortrag durch Bürgermeister Andreas Weiher und das begleitende Fachbüro Rittmannsperger Architekten folgte ein Rundgang durch das Fördergebiet. Ausgangspunkt war das Schloss Wächtersbach, welches heute sowohl die Stadtverwaltung als auch weitere Nutzungen vereint. Weitere Stopps waren der Marstall und das ehemalige Brauereiareal, die Schlossparkterrasse und das Schlossparkumfeld, das ehemalige Amtsgericht (heute KiTa und Tagespflege) sowie der neue naturnah gestaltete Spielplatz am Schloss.

Wir danken der Stadt Wächtersbach für die tolle Zusammenarbeit und die Gastfreundschaft!

Rundgang

Folgende Projekte hat Bürgermeister Andreas Weiher den Teilnehmenden vorgestellt:

Sanierung des Stadt­schloss Wächtersbach

 Stadtschloss Wächtersbach

Mit dem Projekt hat sich die Stadt Wächterbach dem Ziel verschrieben, den Mittelpunkt der Stadt wieder im historischen Zentrum zu verankern. Die Sanierung und Umnutzung des stark sanierungsbedürftigen privaten Fürstenschlosses als Ort der öffentlichen Stadtverwaltung stellte eine besondere Herausforderung, aber gleichwohl auch eine große Chance dar.

Im Zuge der Sanierung des Schlosses wurde sensibel zwischen der Sichtbarmachung historischer Elemente und den zeitgemäßen Nutzungsansprüchen einer modernen Verwaltung abgewogen. Das Schloss Wächtersbach enthält nun als neuer zentraler Mittelpunkt eine angemessene und attraktive Mischung von verschiedenen Nutzungen. Dazu zählen neben dem Sitz der städtischen Verwaltung auch gastronomische und kulturelle Einrichtungen. Die Ansiedlung eines Restaurants im Erdgeschoss des Schlosses wirkt sich positiv auf die Umgebung aus. Ausstrahlungseffekte sind insbesondere auf das benachbarte Brauereiareal sowie die historische Altstadt zu erwarten. Darüber hinaus beherbergt das sanierte Schloss ein Trauzimmer, in dem sich Paare mit Blick auf die Schlossanlage das Ja-Wort geben können.

Insgesamt stellt das modernisierte und denkmalschutzgerecht sanierte Schloss eine zentrale Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger im Alltag dar. Gleichzeitig überzeugt die Lage im Schlosspark und stellt eine besondere Sehenswürdigkeit für Besucherinnen und Besucher im Main-Kinzig-Kreis dar.

Innenhof des sanierten Stadtschlosses

Der Marstall

Gegenüber des Stadtschlosses liegt der historische Marstall. Das als Kulturdenkmal geschützte Gebäude gehört zur prägenden Struktur des Schlosshofes. Ein langjähriger Leerstand und die Umbauten durch die ehemalige Brauereinutzung haben im Inneren starke Schäden hinterlassen. Um den Marstall als ensembleprägendes Gebäude am Schlosshof und in seiner Außenwirkung zu erhalten, war eine umfassende Sanierung dringend notwendig.

In Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege wurde entschieden, dass Dach vollständig neu zu errichten, um den Energiestandard zu erhöhen und den Hausschwamm zu beseitigen. Im Erdgeschoss des Gebäudes ist heute ein Brautmodengeschäft angesiedelt. Zudem stehen dem Verein „Familienkreis Wächtersbach“ und der Stadtverwaltung weitere Räume zur Verfügung.

Schlosspark und Schlos­s­umfeld

Naturnaher Spielplatz am Schlosspark in Wächtersbach

Der Schlosspark ist die zentrale grüne und blaue Infrastruktur in Wächtersbachs. Der Freiraum hatte in den letzten Jahrzehnten seine Funktion als Erholungsort zunehmen verloren. Aus diesem Grund wurde das Areal grundlegend aufgewertet. Im Fokus standen hierbei vor allem die Naherholungsqualitäten für die Bevölkerung.

Um eine Nutzbarkeit des Schlossparks im Sinne einer öffentlichen, denkmalwerten Grünfläche zu schaffen, wurden die Teiche und der Damm (Hauptzuwegung Schloss und Park) saniert. Die weitläufigen Rasenflächen wurden durch ein schwellenarmes Wegenetz für Spaziergänge erweitert. Der naturnah gestaltete Spielplatz für Kinder und Jugendliche im angrenzenden Schlosswald fügt sich gut in die Landschaft ein. Im Randbereich des Schlossparks können die in die Spielflächen einbezogenen Wasserläufe zu einer Naturerfahrung für Kinder und Erwachsene werden.

Schloss­park­ter­rasse

Ein weiterer Bestandteil des Schlossparks ist die „Schlossparkterrasse“. In alten Plänen wurde das 300 m² große Bauwerk auch als Orangerie bezeichnet – die Ursprünge sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Vorhanden war bis vor wenigen Jahren nur noch das Sockelgeschoss der ehemaligen Orangerie mit Tonnengewölbe, repräsentativer zweiläufiger Treppenanlage und Betondeckplatte. Da die Anlage Teil des Gartendenkmals „Schlosspark Wächtersbach“ ist, wurde das zentrale historische Bauwerk des Schlossgartens instandgesetzt und wird nun als kommunaler Veranstaltungsort für kulturelle Veranstaltungen (Kleinkunst, Lesungen, Theater, Konzerte, Feiern etc.) sowie Bildungsangebote („grünes Klassenzimmer“) genutzt.

Bürgermeister Weiher präsentiert die sanierte Schlossparkterrasse in Wächtersbach

Ehema­liges Amtsge­richt

Die Stadt Wächtersbach suchte mit dem Umzug in das Schloss Wächtersbach neue Räume für ihr städtisches Archiv. Nach Abwägung verschiedener räumlicher Möglichkeiten wurde das Kellergeschoss des Amtsgerichtes für eine dauerhafte Archivnutzung präferiert. In diesem Zusammenhang entschied man sich auch die restlichen Geschosse zu sanieren. Seit 2024 ist im ehemaligen Amtsgericht eine Kindertagesstätte und eine Tagespflegeinrichtung für Senioren und Demenzerkrankte beherbergt. Das Haus wurde somit zu einem Begegnungsort für Jung und Alt umfunktioniert.

Gruppenfoto vor dem ehemaligen Amtsgericht in Wächtersbach

Weitere Infor­ma­tionen:

Die Stadt Wächtersbach war von 2016 bis 2025 mit dem Fördergebiet „Historischer Stadtkern Wächtersbach“ im Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. In diesem Jahr wurde das neue Fördergebiet „Wächtersbach Mitte“ in das Programm aufgenommen. Nach Erstellung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes können in Zukunft auch dort städtebauliche Maßnahmen umgesetzt werden.